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Neiße Filmfestival startet in 19. Auflage

Foto: CINEMASCOPE ZGJOI / BIENENSTOCK / HIVE
Foto: CINEMASCOPE ZGJOI / BIENENSTOCK / HIVE

Vom 17. bis 22. Mai geht das Neiße Filmfestival in seine 19. Auflage. Nach zwei Corona-Jahren mit verschobenen Terminen und gekürztem Programm kann sich das Publikum in der Dreiländerregion an der Neiße 2022 wieder auf sechs Festivaltage mit rund 90 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme in drei Wettbewerben und diversen Filmreihen, Filmgespräche mit den Filmschaffenden sowie begleitende Veranstaltungen freuen.

 

Trinationale Wettbewerbe für Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme

Im Hauptwettbewerb des Festivals um den besten Spielfilm treten je drei Produktionen aus Deutschland, Polen und Tschechien an, die u.a. von dystopischen Zukunftsvisionen, sozialen Missständen, aber auch gefühlvollen Romanzen erzählen. Der Gewinnerbeitrag wird mit einem mit 10.000 Euro dotierten „Neiße-Fisch“ ausgezeichnet, der vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus gefördert wird. Im Wettbewerb um den besten Dokumentarfilm gehen neun Produktionen ins Rennen, die sich u.a. mit der Suche nach Identität oder dem Verhältnis zwischen Tradition und moderner Gesellschaft auseinandersetzen. Der Preis ist hier mit 5.000 Euro dotiert und von der Standortkampagne „So geht sächsisch.“ gefördert. Der Kurzfilm-Wettbewerb beim Neiße Filmfestival, für den der Studierendenrat der Hochschule Zittau/Görlitz ein Preisgeld von 1.000 Euro stiftet, umfasst 2022 wieder eine große Bandbreite mit kurzen Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Animationen, die einen fantastischen, realistischen, humorvollen, ernsten, emotionalen oder auch kritischen Blick auf die (nicht) alltäglichen Dinge des Lebens werfen.

 

Familien im Festivalfokus

Der Fokus des 19. Neiße Filmfestivals wird sich unter dem Titel „Family Affairs“ der Veränderung von Familien-Konzepten bzw. dem Vergleich von damit verbundenen Vorstellungen in Ost- und Westeuropa von der Vorwendezeit bis heute zuwenden. Das entsprechende Filmprogramm mit neun Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen setzt sich mit unterschiedlichen Wahrnehmungen dieses individuell und gesellschaftlich so relevanten Themas intensiv auseinander und erzählt gleichzeitig wie unter einem Brennglas schlaglichtartig spannende, berührende Zeitgeschichte(n). Außerdem liest Lutz Seiler am 18. Mai im Gerhart-Hauptmann-Theater aus seinem Buch „Stern 111“. Darin erzählt der preisgekrönte Autor eine atmosphärisch dichte Familiengeschichte aus der unmittelbaren Nachwendezeit.

 

Filmreihen zeigen Regionales, aktuelle Kinohighlights, Filmklassiker und Kinderfilme

In der Reihe „Regionalia“ stehen aktuelle Beiträge von regionalen Filmschaffenden auf dem Programm, die sich dem Leben in der Lausitz und an der deutsch-tschechischen Grenze oder dem sorbischen Film widmen. Unter dem Titel „Cinemascope“ zeigt eine Filmreihe, wie breit aufgestellt die thematischen Horizonte der Kinematografien in Polen, Deutschland, Tschechien und weiteren europäischen Ländern sind. Im Centrum Panorama im tschechischen Varnsdorf sind Filmklassiker wie „Die Unbestechlichen“ (1987), "Aliens: Die Rückkehr“ (1986) oder „Schlacht um Midway“ (1976) im 35mm- bzw. 70mm-Format zu sehen. Die traditionelle Kinderfilmreihe bekommt in diesem Jahr mehr Festivalflair: die beiden Filme werden jeweils in Originalsprache gezeigt und simultan übersetzt. Eine Retrospektive widmet drei Filme der Ehrenpreisträgerin des diesjährigen Neiße Filmfestivals, der deutschen Schauspielerin Katharina Thalbach.

 

Ukrainische Akzente im Festivalprogramm

Aus Solidarität mit den vom Krieg betroffenen Menschen setzt das Neiße Filmfestival in seinem Festivalprogramm auch ukrainische Akzente. Eröffnet wird das Filmfest am 17. Mai mit dem ukrainisch-türkischen Spielfilm „Клондайк“ (Klondike) von Maryna Er Gorbach um ein junges Paar, das 2014 im Kampfgebiet in einem ostukrainischen Dorf sein erstes Kind erwartet. Bereits bei der Premiere auf dem Sundance Film Festival war der Film hochaktuell. Nun wurde er von einer noch schlimmeren Realität eingeholt. Im Kulturcafé "Alte Bäckerei“ in Großhennersdorf ist bis zum 19. Juni die Ausstellung „Familia“ zu sehen. Fotografin Oksana Yushko hat dafür seit 2014 ukrainisch-russische Paare porträtiert und wirft so den Blick auf die zwischenmenschliche Seite inmitten des aktuellen Konflikts. Zu den Höhepunkten im Rahmenprogramm gehört das Konzert mit der ukrainischen Band „DakhaBrakha“ am 20. Mai im Kühlhaus Görlitz. Die Musik des Quartetts vereint Folk und Beat, Jazz und Trance. Ihre Auftritte vermitteln dank unkonventioneller Sounds, ritueller Stammesrhythmen und rasender Vocals die Kraft und Sinnlichkeit der Folklore Osteuropas. 

 

Die feierliche Preisverleihung findet am 21. Mai im Filmtheater Ebersbach statt. Prämiert werden hier neben den besten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen und den Publikumslieblingen auch die beste darstellerische Leistung, das beste Drehbuch und das beste Szenenbild. Außerdem wird ein Spezialpreis an einen Film vergeben, der sich dem Verständnis der kulturellen und ethnischen Unterschiede verschiedener Länder oder den vorhandenen Gemeinsamkeiten widmet.

Für Geflüchtete, nicht nur aus der Ukraine, ist der Eintritt zu allen Veranstaltungen frei. Als Nachweis am Einlass gilt ein entsprechendes Ausweisdokument.

 

Das komplette Programm und aktuelle News zum Neiße Filmfestival gibt es online unter www.neissefilmfestival.net.