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Zittauer Geschäftsfrauen der Frühen Neuzeit

Porträt Anna Maria Noack, unbekannter Künstler, Foto: Jürgen Matschie
Porträt Anna Maria Noack, unbekannter Künstler, Foto: Jürgen Matschie

 

Kersten Kühne beleuchtet am Mittwoch, den 16. März um 17 Uhr im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster den weiblichen Teil der Wirtschaftsgeschichte der Stadt Zittau im Vortrag „Zittauische (Geschäfts) Frauen aus der Frühen Neuzeit“.

 

Am blühenden wirtschaftlichen Leben in Zittau in der frühen Neuzeit hatten auch Frauen einen nicht unerheblichen Anteil. Das konnte mit einer ersten Ausstellung zu den Zittauischen Bierbrauerinnen schon 2015 belegt werden. Der Besitz eines Bierhofes mit der darauf liegenden Braugerechtigkeit bedeutete für Witwen, so sie das konnten und wollten, Unabhängigkeit und relative finanzielle Sicherheit, mit der sie sich und ihre Familie weiterhin ernähren konnten. Auch im Leinwandhandel waren sie tätig, betrieben eine Papiermühle und den einen oder anderen kleineren Handel oder führten eine Stadtapotheke oder erfolgreich einen großen Laden. Und das meist über Jahre mit noch minderjährigen Kindern. Das Geschäft und der Bierhof sollten für die Familie erhalten und weitervererbt werden. Bei den späteren Forschern der regionalen Wirtschaft- und Kulturgeschichte, auf die heute noch für viele Publikationen und Darstellungen als Quellen zurückgegriffen wird, standen Frauen nur sehr bedingt im Fokus. Sie wurden deshalb für ihre Untersuchungen kaum wahrgenommen und in ihren Arbeiten nur selten erwähnt. Dabei riefen die Aktivitäten der Frauen öfters auch den Ärger der Kramer-Innung oder anderer wichtiger Persönlichkeiten der Stadt hervor, die durch sie ihre Privilegien und ihre Stellung gefährdet sahen. Das ist heute unser Glück, denn mit den damaligen zeitgenössischen Dokumenten, in denen diese Zwistigkeiten und Auseinandersetzungen aufgeschrieben und festgehalten wurden, also mit den Gerichtsakten, Chroniken, aber auch mit den kleinen Randnotizen und Bemerkungen in den Kirchenbüchern, haben wir die Chance, mehr darüber zu finden und zu erfahren. 

 

Viele Puzzles also, die zusammengefügt, ein interessantes Bild ergeben, das es möglich macht, einen kleinen, spannenden Einblick in das Leben der Frauen und ihrer Familien in dieser Zeit zu erhalten.