· 

„Wir schenken uns doch nichts“

Foto: pixabay.com
Foto: pixabay.com

 

Eine Kolumne von Mario Heinke

 

Es gibt Geschenke, die eigentlich gar nicht existieren. Trotzdem tauchen sie jedes Jahr immer wieder auf: Die Wir-schenken-uns-doch-nichts-Geschenke.

 

Es gibt viele gute Gründe mit Freunden und Verwandten zu vereinbaren, sich nichts zu schenken. Weil wir schon alles haben, weil uns nichts Neues mehr einfällt, weil die Geschenke oft unnütze Dinge sind, die niemand braucht oder weil wir das Geld anderweitig ausgeben oder sparen könnten. Trotzdem hält sich kaum jemand an die Vereinbarung.

 

Warum ist das so?  Als Depp steht nämlich derjenige da, der sich an die Abmachung hält und mit leeren Händen dem Verwandten oder Freund gegenübersteht, wenn dieser mit einer „Kleinigkeit“ um die Ecke kommt. Alle, die das schon mal erlebt haben, ändern danach ihre Taktik.

 

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – eine alte Weisheit. Geschenke fördern das Vertrauen und festigen die Bindung zwischen Individuen. Und da wir generell voneinander abhängig sind, fördern Geschenke auch die Sicherheit, sagen jedenfalls die Wissenschaftler. Sie nennen das Geben und Nehmen, reziprokes Verhalten.

 

Meine bessere Hälfte ist seit vierzehn Tagen damit beschäftigt die kleinen Aufmerksamkeiten einzupacken. Das Konvolut der liebevoll verpackten Reziproke bedeckt bis zur Verteilung an den Weihnachtsfeiertagen rund anderthalb Quadratmeter Möbelfläche. Schon an der Menge der „kleinen Aufmerksamkeiten“ lässt sich die Bedeutung für die Volkswirtschaft erkennen. Hoch lebe das Wachstum! Steigert das Bruttosozialprodukt! Ich schenke und werde beschenkt, also bin ich.

 

Gibt man bei Google „Wir schenken uns nichts “ ein, erscheinen in den ersten Einträgen – wen wundert´s – zahlreiche Kaufangebote des Onlinehändlers Amazon. Ein scharfes Habanero-Chili-Samen-Set wird dort als „cooles Nix für Frauen und Männer“ feilgeboten. Sollte Ihnen nichts mehr einfallen, empfehle ich eher den Einzelhandel vor Ort. Der hält viele „kleine Dinge“ aus der Umgebung bereit, die nicht nur die Freundschaft sondern auch die regionale Wirtschaft stärken.