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Wertvoller Karasek-Roman restauriert

 

Vor drei Jahren gelang es dem Wissenschaftlichen und Heimatgeschichtlichen Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau ein Exemplar des „Karasek“ von Alfred von Dornburg auf dem Antiquariatsmarkt zu erwerben. Bis zu diesem Zeitpunkt war dieses Werk in keiner öffentlichen deutschen Bibliothek vorhanden. Das von uns erworbene Exemplar war in einem schlechten, zerlesenen Zustand. Es war jedoch klar, dass dieses Werk unbedingt erhalten werden muss. Für die Christian-Weise-Bibliothek Zittau und die gesamte Oberlausitz ist es von doppelter Bedeutung: Es handelt über eine historische Person der Region und es wurde hier vor Ort gedruckt.

 

Dank einer großzügigen Förderung durch den Freistaat Sachsen, vermittelt durch die Landesstelle für Bestandserhaltung an der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, konnte dieses historische Buch restauriert werden. Bei der Restaurierung des Buches in der Buchrestaurierung Leipzig GmbH wurden die zerlesenen und vom Papierzerfall bedrohten Blätter zunächst gesäubert und dann angefasert, das heißt mit flüssigem Papierbrei wurden Fehlstellen ergänzt und das Papier stabilisiert. Danach sind die Blätter mit einem hauchdünnen Japanpapier zusätzlich verstärkt worden. Die somit gesicherten Blätter wurden am Schluss wieder zu den ursprünglichen 35 Heften zusammengeheftet und in eine speziell angefertigte Kartonmappe eingelegt.

 

Somit ist der seltene und wertvolle Karasek-Roman für die Zukunft erhalten und nutzbar gemacht worden. Die originalen Hefte stehen künftiger Forschung und für Ausstellungen zur Verfügung. Für das interessierte Lesepublikum wurde der Roman bei der Restaurierung gleichzeitig digitalisiert, der Text wird demnächst auf „Sachsen.digital“ verfügbar sein.

 

Die Kriminal-Novelle wurde auf Grund aktenmäßiger und mündlicher Überlieferung bearbeitet von A. von Dornburg“. Über den Autoren Alfred von Dornburg ist nichts bekannt, außer dass er noch einen anderen Unterhaltungsroman unter dem Titel „Martha, die Tochter des Verurteilten oder Opfer russischer Justiz. Sensationsroman“ veröffentlicht hat. Dornburgs „Karasek“ erschien in 35 Lieferungsheften, welche jeweils eine Abbildungstafel enthielten, mit einem Gesamtumfang von 558 Seiten. Gedruckt und verlegt wurde der „Karasek“ von Dornburg im Jahr 1891 in der damals bekannten und erfolgreichen Firma von Hermann Oeser in Neusalza (heute Neusalza-Spremberg) in der Oberlausitz.

 

Johannes Karasek, genannt Prager Hansel oder Räuberhauptmann Karasek, war um das Jahr 1800 herum der Schrecken der Oberlausitz. Geboren im Jahr 1764 in Smichov bei Prag erlernte er zunächst das Tischlerhandwerk, später wurde er noch Fleischhauer. Als junger Geselle ging er auf die damals übliche Wanderschaft. Danach wurde er zum österreichischen Militär eingezogen, jedoch desertierte er immer wieder von dort. Ein Kamerad brachte ihn dann schließlich in die damalige böhmische Enklave Niederleutersdorf in der Oberlausitz. Hier geriet er bald in die Fänge des Räuberhauptmanns Palme. Karasek arbeitete dann als Hausierer, wobei er redegewandt die bei zahlreichen Einbrüchen erbeuteten Sachen verkaufte. Er war also ein Hehler, brauchte aber im sächsisch-böhmischen Grenzgebiet die Polizei nicht ernsthaft befürchten. Bei einem Einbruch 1797 kam Palme ums Leben. Karasek wurde danach zu seinem Nachfolger gewählt. Sein Prinzip war es, nie im eigenen Revier zu räubern. Einige Jahre ging das gut und man raubte vor allem Faktoren oder Mühlenbesitzer, also die Wohlhabenderen der damaligen Zeit, aus. Manchmal wurde von der Beute tatsächlich einem armen Weber oder Häusler etwas abgegeben. Daraus entwickelte sich die Legende vom „edlen Räuber“, der den Reichen nahm und den Armen gab. Später wurde dann aber doch auch im eigenen Revier geräubert und nach einem Einbruch in Oberleutersdorf Anfang August 1800 wurde die Bande schließlich gestellt und überführt. Karasek wurde in Bautzen vor das Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Der sächsische Kurfürst begnadigte ihn aber zu lebenslanger Festungshaft in Dresden. Dort starb Karasek am 14. September 1809.

 

Obwohl Johannes Karasek kein „edler Räuber“, sondern ein schlimmer Räuberhauptmann war, lebt die Legende weiter, bis in unsere heutige Zeit.

Schon bald nach seinem Tod fanden Karaseks Leben und seine Taten Eingang in die Unterhaltungsliteratur der damalige Zeit. Es waren vor allem reißerisch gemachte und in Fortsetzungen erschienene Romane, in denen Karasek und andere „Helden“ der Vergangenheit zu handelnden Personen wurden. Diese Werke wurden in einzelnen Heften über einen längeren Zeitraum vertrieben. Das hatte den Vorteil, dass sie sich diese auch mancher ärmere Interessent leisten konnte. Ein komplettes Buch auf einen Schlag zu bezahlen wäre für viele Kunden nicht möglich gewesen. Diese heute von der Literaturwissenschaft als Trivialliteratur bezeichneten Werke wurden damals von den einfachen Menschen regelrecht verschlungen. Trotz seinerzeit hoher Auflagenzahlen der Romane sind diese heute kaum noch vorhanden. Sie wurden regelrecht zerlesen und dann entsorgt. Bibliotheken haben diese Literatur kaum gesammelt, am ehesten findet man sie heute noch in Privatsammlungen.

 

Quelle: Uwe Kahl, Christian-Weise-Bibliothek Zittau, Sachgebietsleiter Wissenschaftlicher und Heimatgeschichtlicher Altbestand