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Was lesen die Oberlausitzer im Lockdown? (7)

In dieser Reihe fragen wir regional bekannte Persönlichkeiten, welches Buch sie im Lockdown gelesen haben und weiter empfehlen.

 

Matthias Schwarzbach ist Leiter der Zittauer Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer. Er empfiehlt „Der Verlust: Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert“ von Thomas Urban und sagt: Es hat mein Verständnis für das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen vollkommen neu geprägt. Unglaublich, wie Menschen eines Kulturkreises miteinander umgehen können.  

 

Ich interessiere mich für geschichtliche Darstellungen. Dabei interessiert mich vor allem der geschichtliche Kontext und die Gesamtzusammenhänge. Das Buch  „Der Verlust“  berichtet von den Vertreibungen  Deutscher und Polen seit der dritten polnischen Teilung 1795; über unvorstellbare Untaten von Deutschen und Polen, welche sich beide Völker angetan haben. Der Schwerpunkt der Schilderung liegt im 20. Jahrhundert. Dort sind es vor allem die Jahre seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Anfang der 1950er Jahre.

 

Die Betrachtungen sind nicht auf die deutsch-polnischen Wechselverhältnisse beschränkt, sondern nehmen auch die im 20. Jahrhundert mehrfach geänderte Ostgrenze Polens in den Blick, die von polnisch-russischen und polnisch-ukrainischen Auseinandersetzungen bestimmt wurde. Besondere Aufmerksamkeit widmet Thomas Urban den Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs mit der wiederholten Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion und dem deutsch-russischen Krieg sowie der anschließenden Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten des Reiches

 

Thomas Urban -  (* 1954 in Leipzig) ist ein deutscher Journalist und Historiker, der sich auf Osteuropa spezialisiert hat- gelingt es, tiefgründig und genau recherchiert in die schwierige Problematik des Verhältnisses zwischen Polen und Deutschen einzuführen. Er zeigt die Wurzeln des Konflikts, welche weit in die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zurückreichen. Er berichtet schonungslos und ehrlich über Fehler und Vergehen auf beiden Seiten und zieht die gedankliche Linie fort bis in die Jetztzeit. Bei seinem ganzen Vorhaben ist es stets um Sachlichkeit und Fairness bemüht. Ein großartiges und höchst notwendiges Buch; so einige der Leserstimmen, in die ich mich einreihe!

 

Matthias Schwarzbach

   


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