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Sozialarbeit unter Pandemiebedingungen

 

Die gute Nachricht zuerst: Kinder und Jugendlichen wird auch während der Pandemie geholfen. „Auch die Unterstützung der Eltern bei der Erziehung ist gewährleistet. Die Beratungsstelle, die sozialpädagogische Tagesgruppe und die Familienhilfe arbeiten mit entsprechenden Hygienekonzepten,“ erklärt Katja Schönborn, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Zittau. In enger Absprache mit dem Jugendamt fänden auch weiterhin Beratungen statt. „Die Kinder und Familien brauchen uns, gerade in dieser Zeit“, so Frau Schönborn. Die sozialpädagogische Tagesgruppe hat die Kinder in Gruppen aufgeteilt, der neue Alltag mit Homeschooling stelle die Fachkräfte vor besondere Herausforderungen. So wurden Betreuungszeiten umgestellt und Angebote umgekrempelt, weil die Gruppenarbeit derzeit nicht möglich ist. Der „Offene Treff“ biete für Mädchen und Jungen Einzelkontakte und Hausaufgabenhilfe an, Materialien oder Spiele können ausgeliehen, Hausaufgaben ausgedruckt werden. Die Jugendlichen seien besonders mit Langeweile, Einsamkeit, Stress daheim, mangelnder Ernährung und Bewegung überfordert, so die Kinderschutzbund-Geschäftsführerin. Das Cafe X in der Böhmischen Straße in Zittau bietet täglich Online-Meetings und versucht mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.

 

Auch die Familienbildung bietet Informationen, Tipps, Austauschmöglichkeiten, Online- und Telefonberatung aber auch analoge Anregungen. So packt der Kinderschutzbund Familienpakete mit Bastel- und Bewegungsideen, Rezepten für gemeinsames Kochen und Hilfen für den Alltag. Die Sozialarbeiter in den Schulen arbeiten entsprechend der Möglichkeiten.

 

„Trotz aller Bemühungen können wir nicht alle erreichen und wie gewohnt Kontakte zu pflegen. Fehlende technische Möglichkeiten und Kenntnisse, eingeschränkte Erreichbarkeiten der Zielgruppen in den Schulen und Kitas hemmen die Zugänge zu alternativen Angeboten",  so Katja Schönborn.

 

Aber auch einige Eltern sind im Lockdown mit der Betreuungssituation der Kinder, Konflikten in der Familie sowie Verunsicherung überfordert, das belegt die Statistik der „Nummer gegen Kummer“. So ersuchten im April 2020 (während des ersten Lockdowns) 77,3 Prozent mehr Eltern Rat beim „Elterntelefon“ als im Februar desselben Jahres, erklärt Henri Burkhardt, Bereichsleiter Verbandsarbeit beim Arbeiter-Samariter-Bund Zittau/Görlitz. Aktuelle Zahlen liegen nicht vor, aber auch das „Kinder- und Jugendtelefon“ verzeichnete einen Anstieg der Anrufe.

 

„Der intensivere Kontakt zu Eltern und Geschwistern mit den gleichzeitig reduzierten Angeboten außerhalb der eigenen vier Wände sorgt für ein erhöhtes Frustpotenzial sowie mehr Streit. Tankstelleneffekte, wie das Treffen mit Freunden oder die Ausübung verschiedener Hobbys, die unter Pandemie-Bedingungen schwieriger durchzuführen sind, fehlen“, so die Einschätzung von Herrn Burkhardt gegenüber zittau-online.de.

 

Die Bildungsmöglichkeiten seien erheblich beeinträchtigt, die werde verschärft wird. „Wir können solche Entwicklungen bereits sehen und müssen mit starken Beeinträchtigungen rechnen“, warnt Frau Schönborn. Der Bundesverband des Kinderschutzbundes habe Befunde zu sozialen und psychischen Beeinträchtigungen im Lockdown vorgelegt. Diese müssen künftig bei der Abwägung von Infektionsschutzmaßnahmen berücksichtigt werden. Wo sinkende Inzidenzwerte und gute Hygienekonzepte vorliegen, müsse Bildung und soziale Kontakte möglich werden. Bei einer Abwägung des Infektionsschutzes dürfe ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen nicht vernachlässigt werden, rät der Bundesverband. (mh)

 


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