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Das edle Zittauer

 

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Faksimile der Printausgabe
Faksimile der Printausgabe

 

Ein Nachruf von Frank Brandt im Stadtmagazin 2016

 

Über Jahrhunderte spielte das Zittauer Bier eine bedeutende Rolle in der Stadt. Es war einmal, da duldeten die Zittauer Bürger in ihren Mauern kein fremdes Bier. Ihr Stolz auf eigenes Können, ließ nicht einmal die Einfuhr von Bier aus Orten der näheren Umgebung zu. So besagt es das Stadtrecht aus dem Jahre 1517, ein Jahr nach der Festlegung des Deutschen Reinheitsgebots. Das Geheimnis der Zittauer lag ab dem Jahre 1371 an einer Regelung, die besagt, dass auf ein Weizenbier 16 Scheffel Weizen und auf ein Märzenbier 40 Scheffel Gerste geschüttet werden mussten. Das verhalf dem Zittauer Bier zu seinem guten Ruf, dadurch erlangte es eine Ausnahmestellung unter den Bieren der damaligen Zeit. Das vorzügliche Wasser unserer Region gestattete es den hiesigen Brauereien, feinstes Bier zu brauen. Zittauer Bier war bekannt von Prag bis Breslau, von Halle bis Frankfurt an der Oder. Bierbrauen war ein Teil der bürgerlichen Welt. Bierbrauen ging jeden an.  

Einen großen Namen in Zittau hatte die Brauerei Jentsch. Seit Mai 1879 war Robert Jentsch, der die Braukunst von Grund auf gelernt hatte, Besitzer einer Brauerei. Er warb dafür, mit dazu beizutragen, dass die Geschichte des bürgerlichen Brauens in Zittau nicht jäh dadurch abgebrochen wird, weil Zittauer fremde Biere für wertvoller hielten als eigene. Einheimische Biere geben Handwerkern Arbeit und Brot. Jentsch nannte alle seine Spezialbiere „Bierhof Bräu“.

Nach dem Krieg gingen die Societätsbrauerei und die Brauerei Jentsch in Volkseigentum über. 1990 schloss die zu Landskron Görlitz gehörende Societätsbrauerei. 2011 stellte die letzte Zittauer Brauerei ihren Betrieb ein. Heute wird Zittauer Bürgerbräu noch in der Privatbrauerei Eibau gebraut.

Bieretiketten: Sammlung Frank Brandt
Quelle: Bierhofbräu Anno 1510 - Brauerei Robert Jentsch Zittau, Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek, Festschrift „Zum 50. Jubiläum der Brauerei 1879-1929“