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Meine Männer spuren ...

 

Andrea Lück führt ein erfolgreiches Unternehmen in der Oberlausitz und das mit zwei Kindern und jeder Menge Verantwortung.

von Mario Heinke, erschienen im xyzittau Stadtmagazin 2007

 

AUS DER ALTEN BARACKE DRINGT das Kreischen einer Kreissäge, der Geruch von Holz liegt in der Luft, am Fenster vor der Werkstatt flimmern Holzstaub und Späne im Sonnenlicht. An der Tür des Büros ein altes Blechschild. »Warnung vor dem Hunde« steht darauf. Als ich mich der Tür nähere, ist der Hund nicht zu überhören. »Leo, aus!« höre ich eine energische Frauenstimme rufen und schon öffnet sich die Tür. Andrea Lück, Geschäftsführerin des Unternehmens kommt mit dem Telefon am Ohr heraus, lächelt, spricht weiter und winkt mich herein. Leo entpuppt sich als lieber Dackel und nach zwei weiteren Telefonaten, bei denen es sich um aus-gebaute Türschlösser, Dichtungsgummis und Schwellen dreht, fragt die 34-Jährige ohne Umschweife: »Was willst Du wissen?« 

Schon in den ersten Minuten wird klar, dass die blonde Frau hinter dem Schreibtisch zu den Frauen gehört, die wissen was sie wollen und wo es langgeht. »Wir gestalten Ihnen das Leben natürlich – natürlich aus Holz« erklärt das Plakat hinter dem ledernen Chefsessel die Philosophie des Hauses. Wie sie ihr Leben bisher gestaltet hat, frage ich sie etwas verlegen. »Nach der Lehre als Friseurin habe ich bis 1995 in dem Beruf gearbeitet, dann kam die Tochter Elisabeth und 1998 folgte Jonathan. Neben der Arbeit habe ich schon immer in der Firma meines Vaters (Holz- und Drechselwaren Heinze) die anfallenden Büroarbeiten erledigt.« Im Jahre 2002 stieg sie dann in das Unternehmen des Vaters ein und gründete 2004, als Rainer Heinze Invalidenrentner wurde, die »Heinze & Co. GmbH«. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie sich in das Unternehmen eingebracht hat, führt sie heute den »Laden« und wenn’s mal fachlich knifflig wird, steht der Vater mit seiner ganzen Erfahrung bereit. Für elf Mitarbeiter einschließlich eines Vorarbeiters – alle Männer – gilt es Arbeit zu beschaffen und Aufträge herein zu holen.


»Meine Männer spuren, die sind es von zu Hause aus nicht anders gewohnt.« Schallendes Gelächter wallt über den Tisch, dann wird sie etwas ernster und sagt: »Die Mehrzahl der Männer ist schon über 10 Jahre bei uns, die wissen genau, wenn wir nicht schnell und pünktlich sind, gute Qualität abliefern, dann sind wir raus aus dem Rennen. So einfach ist das.« Eine Einstellung, die näher am Leben ist als das Werbeplakat und offensichtlich von den Auftraggebern am Ort, der Wohnbaugesellschaft und der Wohnungsgenossenschaft Zittau sowie bundesweit, honoriert wird. Ein Teil der Mitarbeiter werkelt ständig zwischen München und Tegernsee, fährt Montag früh um drei in Zittau los um ab neun Uhr auf den bayrischen Baustellen zu schrauben. Auf zwei junge Mitarbeiter, die eigentlich ständig in Bayern sind, der Ältere ist gerade 23, ist Andrea Lück besonders stolz. »Wenn auf der Baustelle eine acht Meter lange Falttür angeliefert wird, da muss alles minutiös vorbereitet sein, vom Kran bis hin zu den Leuten, die sie einbauen. Da muss ich mich darauf verlassen können und kann von Zittau aus nicht eingreifen. Aber die beiden haben das im Griff, arbeiten sehr selbstständig.« Den Firmensitz wegen der besseren Auftragslage in den Westen des Landes zu verlagern, daran hat sie noch nicht gedacht. »Vielleicht mal eine Filiale, aber meinen Wohnsitz, niemals. Ich geh nicht weg von hier!« kommt mit einer Überzeugung über ihre Lippen, die jede Nachfrage unpassend erscheinen lässt. Feuchter Glanz mischt sich in die grünen Augen, spricht sie über »ihre Baustellen«. Als große Herausforderung schildert sie mir die Arbeiten im Zittauer »Klosterstüb’l« oder die Arbeiten an der Alten Polnischen Botschaft in München, dort übernahm ihre Firma die Restaurierung und Rekonstruktion aller Bauelemente aus Holz, keine leichte Aufgabe. Hinter der Begeisterung für den Job steckt aber auch die nötige Konsequenz. Die bekamen schon einige Leute zu spüren, wenn die Chefin plötzlich auf der Baustelle auftaucht und rigoros mittelt: »Die Tür können Sie gleich wieder ausbauen, so einen Pfusch kann ich nicht verkaufen!« In einem solchen Augenblick wird sich der Angesprochene jeden Rock zwischen Ahlbeck und Zittau zurück an den Herd wünschen oder etwas dazu lernen. Um einen flotten Spruch oder eine klare Ansprache nie verlegen, antwortet sie auf meine Frage nach der Freizeitgestaltung: »Was für eine Freizeit? Wenn ich mal ein paar Tage wegfahre, werde ich unruhig. Wenn Du auf Anfragen nicht umgehend ein Angebot lieferst, bekommen andere Firmen ihre Chance. Nein, das geht nicht.« Bei der Erziehung der Kinder kann die »Unternehmerin-Mutter« auf die Unterstützung ihre Eltern zurückgreifen. Das hilft und die beiden Kinder, 8 und 11 Jahre, sind auch schon sehr selbst ständig, bekommen viel mit, da sie gleich neben der Werkstatt wohnen. Das ist gewollt, schließlich sollen aus den beiden keine »Traumtänzer« werden. Sagt es und hat schon wieder das Telefon am Ohr. Im Hintergrund kreischt die Säge. Ich klopfe mir den feinen Holzstaub von der Ho se, verabschiede mich, überzeugt davon, dass man hier noch lange Sägen, Schleifen, Hobeln, Schrauben und Schnitzen wird.