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Der Oybin und die Malerei der Romantik

Ludwig Eduard Boll, Oybin bei Nacht (Vollmondstimmung), um 1830, Öl auf Leinwand, Städtische Museen Zittau
Ludwig Eduard Boll, Oybin bei Nacht (Vollmondstimmung), um 1830, Öl auf Leinwand, Städtische Museen Zittau

 

erschienen im xyzittau Stadtmagazin 2019

 

„Dieser Anblick, den ich Ihnen versprach, ist der schönste seiner Art; diese Hoffnungen, die ich Ihnen mache, werden nicht vergebens seyn; und sie würden gewiß noch mehr bestätigt finden, wenn Sie diese Gegend einmal selbst sehen sollten, lebhafte Darstellung mein Talent wäre, und Sie nicht jetzt auf dem Papier durch meine Beschreibung matt würde. - Bey dieser Beschreibung wünsche ich mir, ein Dichter zu seyn, weil ich gewiß überzeugt bin, dass aller Reiz unter meiner Feder verloren gehen wird. Die Gegend, von welcher ich spreche, ist ein Thal, worinnen ein Berg liegt, der der Oybin heißt.“

aus: Neue Reisebeschreibung in und über Deutschland, Halle 1788, S. 79 (anonym)

 

In der Barockzeit entdeckten die ersten Maler die Reize der abwechslungsreichen Gegenden um Zittau. Das große Pano-rama des böhmischen Künstlers Franz Anton Brosch und die majestätischen Ansichten Johann Alexander Thieles vom Berg Oybin bilden den Anfang einer großen Zahl von herausra-genden künstlerischen Wiedergaben der Lausitzer Gebirgs-landschaft. Die kleinteiligen Felsformationen, die herrlichen Ausblicke südwärts zu den böhmischen Kegelbergen und die hoch aufragenden gotischen Ruinen von Burg und Kloster Oybin faszinieren bis heute zahlreiche Maler und Zeichner. Auch die berühmten Maler Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus haben hier ihre Spuren hinterlassen und sich wiederholt Motiven aus den Zittauer Bergen, dem Lausitzer und dem Isergebirge gewidmet. Am 4. Juli 1810 bestieg Caspar David Friedrich den Oybin, danach entstanden einige seiner wich-tigsten Werke. In der Zeit der Romantik wurden neben dem Oybin aber auch der Hochwald, die Lausche, Waldlichtungen und Täler für Künstler aus Dresden und weiter entfernten Metropolen beliebte Ziele. Einige der schönsten Landschafts-eindrücke hielt Adolph Thomas aus Zittau fest – einer der bedeutendsten Maler des 19. Jahrhunderts aus der südlichen Lausitz.

 

Was faszinierte aber die Künstler so am Oybin und den Zittauer Bergen? Ahnungsreich und gefühlvoll sollten die Bildthemen sein. Nicht der Verstand spielte in der Kunst der Romantik eine Rolle, sondern das Sinnliche. Die Sehnsucht nach dem Mittel-alter stillten die Ruinen der böhmischen Königsburg und des Klosters Oybin. Einst wehrhafte Anlage mit Kaiserhaus und Cölestinerkloster, formten Naturgewalten die verlassenen und abgeschiedenen Gebäude. Melancholisch düster wirkt die Ruine und zieht Künstler in ihren Bann ebenso wie die tiefen, dunklen und geheimnisumwitterten Wälder im Gebirge. Nicht verwunderlich, dass genau in dieser Epoche die Märchen- und Sagenwelt einen Aufschwung erlebte.

 

Ganze Serien romantischer Landschaftsdarstellungen machten das Zittauer Gebirge bekannt und lösten große Reiselust bei Betrachtern aus. Zittau wurde 1848 ans Bahnnetz angeschlossen. Ende des 19. Jahrhunderts führten die Schienen bis ins Zittauer Gebirge nach Oybin und Jonsdorf. Es entstanden mehr und mehr Bergbauden, um den „Sommerfrischlern“ Einkehrmöglichkeiten zu bieten.

 

Ab dem 28. September zeigen die Städtischen Museen Zittau eine einmalige Schau mit bekannten und neu entdeckten Schätzen aus der eigenen Sammlung, hochkarätigen Leihgaben aus bekannten Museen und privaten Sammlungen. Vorträge, Filme, Workshops und Exkursionen ergänzen die Ausstellung.

 

Franz Anton Brosch, Blick auf Zittau von Nordwesten, um 1750, Öl auf Leinwand, Städtische Museen Zittau
Franz Anton Brosch, Blick auf Zittau von Nordwesten, um 1750, Öl auf Leinwand, Städtische Museen Zittau

Georg Heinrich Crola, Die Klosterruine auf dem Oybin im Mondschein, um 1828, Öl auf Leinwand, Lippesches Landesmuseum Detmold
Georg Heinrich Crola, Die Klosterruine auf dem Oybin im Mondschein, um 1828, Öl auf Leinwand, Lippesches Landesmuseum Detmold

Adolf Thomas, Lünettenentwurf für die Semperoper Dresden, Mitte 19. Jh., Öl auf Leinwand und Pappe, Städtische Museen Zittau  Fotos: Jürgen Matschie
Adolf Thomas, Lünettenentwurf für die Semperoper Dresden, Mitte 19. Jh., Öl auf Leinwand und Pappe, Städtische Museen Zittau Fotos: Jürgen Matschie

Porzellanteller mit Motiv des Oybins, 1801/1815, Meißen, Städtische Museen Zittau
Porzellanteller mit Motiv des Oybins, 1801/1815, Meißen, Städtische Museen Zittau