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STARGAST: Robert Kunkel

Auf der Suche nach dem besonderen Klang

 

Interview mit Robert Kunkel, erschienen im xyzittau Stadtmagazin 2017

 

Der 35-jährige Zittauer hat das absolute Gehör und verleiht mit Leidenschaft und Können Instrumenten einen individuellen Klang. Robert Kunkel spielt Violine, Gitarre und Klavier, erlernte den Beruf des Klavier- und Cembalobauers in Seifhennersdorf bei der C. Bechstein, gewann schon während der Ausbildung den 1. Platz beim Stimmwettbewerb in Braunschweig bei Schimmel, arbeitete sechs Jahre als Konzert- und Klavierstimmer in Leipzig in einem renommierten Klavierfachgeschäft, ist seit 2011 als selbstständiger Klavierstimmer und -bauer freiberuflich und  erfolgreich unterwegs.

 

 

Herr Kunkel, wie viele Klaviere stimmen Sie jährlich und wo stehen die Instrumente?

Bis zu 1000 Klaviere und Konzertflügel sind durchaus realistisch. Der größte Teil meiner Kunden lebt oder arbeitet in Sachsen, aber ich bin auch in Brandenburg unterwegs oder fahre auch mal acht Stunden nach Bayern zu einer besonderen Kundin. Jährlich komme ich so auf 40 000 Kilometer.

 

Wie lange dauert das Stimmen eines Klavieres?

In der Regel plane ich ca. 90 Minuten ein, wenn keine Reparaturen nötig sind. Ein Klavier hat 85 oder 88 Töne und über 240 Saiten, die ich so lange intoniere, bis jeder einzelne Ton so stimmt, wie es sich meine Kunden vorstellen. Individuell. Es geht bei der Arbeit nicht nur um ein sauber gestimmtes Instrument, vielmehr habe ich Künstler in meinem Regiment, die den einen, besonderen Klang suchen, welchen sie bisher nur bei meiner Interpretation von Klangbild finden durften.

 

Ist es wahr, dass Sie beim Stimmen der Instrumente Gehörschutz tragen?

Ja, durchaus. Die Stöpsel lassen die entscheidenden Frequenzen zwischen 40 und 4000 Hertz in den Gehörgang durch. So kann ich besser hinter die Töne lauschen und Nebengeräusche stören weniger.

 

Woraus besteht die Handwerksausrüstung?
Das Grundwerkzeug habe ich in einer kleinen Tasche, dazu gehören Stimmgabel, Stimmhammer, Stimmkeile und -rechen. Mein Auto ist allerdings vollbeladen mit Werkzeugen und Ersatzteilen, ein Piano besteht aus rund 6000 Teilen.  

Können Ihre Kunden überhaupt einschätzen oder hören, ob Sie gut gearbeitet haben?
Berufsmusiker und Profis in Tonstudios hören das sehr wohl. Aber ich denke, 70 Prozent meiner Kunden wissen leider gar nicht so richtig, was ich tue. Sie vertrauen mir trotzdem ihr Instrument zwei- bis dreimal im Jahr an. Das Stimmen eines Instrumentes ist Vertrauenssache. Klavierstimmer werden weiterempfohlen oder auch nicht. In der Branche läuft fast alles über Mundpropaganda.

Ihre prominentesten Kunden?
Ich durfte den Plexiglas-Konzertflügel von Udo Jürgens vor seinen Konzerten in Leipzig stimmen, das ist eine Weile her. Die Lausitzer Philharmonie, der Mitteldeutsche Rundfunk, die Hochschule für Film und Fernsehen mit den Babelsberger Filmstudios, Pianisten des Kabaretts „Academixer“ und der NDR-Philharmonie, die Schauspielerin Melanie Marschke aus der Fernsehserie „Soko Leipzig“ gehören wohl zu meinen bekanntesten Kunden.

Wie lange dauert es bis man in diesem Beruf arbeiten kann?
Mein Lehrmeister hat mir immer wieder gesagt, ab dem 1000-sten gestimmten Instrument hast du ungefähr eine Vorstellung davon, wie du ein Instrument anfassen musst, dass es so reagiert, wie du es möchtest. Jedes Instrument ist anders, nicht nur von der Größe und Form, sondern auch vom Klang, von Spielart und Charakter. Erfahrung, aber auch Liebe gehört dazu, wie in anderen Berufen auch.

Robert Kunkel, Konzertstimmer & Klaviertechniker
Südstraße 96, D - 02763 Zittau
Telefon: 03583 / 514768, Mobil: 0160 / 946 946 39
E-Mail: info@klavierstimmer-kunkel.de