· 

STARGAST: Martha Pohla

 

Erschienen im xyzittau Stadtmagazin 2016

 

Seit September letzten Jahres bin ich stolze Zittauerin. Schon bei meinem ersten Besuch fand ich die Stadt sehr ansprechend und immer noch kann ich meinen ersten Eindruck nur bestätigen.

 

Ich stamme aus dem hohen Norden, direkt von der Ostseeküste. Immer frische, kühle Seeluft und Sand, bei dem man längst den Kampf aufgegeben hat, ihn jemals loswerden zu können. Die Nähe zum Meer habe ich immer genossen und auch in der Zeit meines Schauspielstudiums war ich nur ein paar Meter vom Strand entfernt. Diesen Luxus vermisse ich hier natürlich sehr, auch wenn ich den Olbersdorfer See schätze und gerne besuche, ist das natürlich kein Vergleich. Das Wetter hingegen vermisse ich keine Sekunde. So fing ich erst nach einigen Monaten an, darüber nachzudenken, warum ich plötzlich keine Halstücher mehr trage. Irgendwann wurde mir dann doch klar, dass ich leider nicht Kälteresistent geworden bin und auch keine anderen Superkräfte entwickelt habe. In Zittau gibt es schlicht und ergreifend keinen stürmischen Dauerwind, der einem zu schaffen macht. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Foto: Mario Heinke
Foto: Mario Heinke

 

Auch dem Klischee sehr wortkarg und zurückhaltend zu sein, werden wir Norddeutschen leider oft gerecht. Dadurch genieße ich es in Zittau ungemein, sei es beim Bäcker, Gemüseladen, oder auf der Straße bei Wegbeschreibungen, in Gespräche zu kommen. Neue Menschen kennenzulernen mochte ich schon immer. Besonders das Dreiländereck hatte mich sehr gereizt, mit der Hoffnung und Bestätigung über Grenzen hinweg, Neues von anderen lernen zu können.

 

Seit dem ich hier wohne, werde ich regelmäßig, fast schon zu oft gefragt, ob ich mich denn gut eingelebt hätte. Das klingt natürlich sehr freundlich, doch auf meine positive Antwort erhalte ich leider sehr oft ein: „Wirklich? Hier ist doch gar nichts los.“ Ich muss mittlerweile gestehen, dass ich die Nase voll davon habe, diese Antwort zu bekommen. Es scheint als hätten die Zittauer vergessen, in was für einer schönen Stadt sie leben, ganz abgesehen vom Gebirge, dem See, der Innenstadt, hat Zittau so viel zu bieten. Es gibt hier noch gut vertretenen Einzelhandel, was mittlerweile leider überall abnimmt durch Supermärkte und Einkaufszentren, die alles an einem Ort anbieten. Mir ist es sehr wichtig die Zittauer Geschäfte zu unterstützen, man kann hier alles lokal kaufen, dabei etwas für sein Stadtbild tun und einfach seinen Mitmenschen begegnen. Für diesen vergleichsweise kleinen Ort gibt ein umfangreiches, buntes Kulturprogramm. Natürlich liegt mir das Theater sehr am Herzen und man kann sich glücklich schätzen, dass diese Stadt überhaupt ein Theater hat, aber das ist noch nicht alles. Zudem werden regelmäßig Konzerte im „Emil“ geboten, die „Küche für alle“, unzählige handwerkliche, zwischenmenschliche und künstlerische Projekte im „Wächterhaus“, auch im „Jolesch“ kann man zu gutem Essen und Trinken immer neue Kunst entdecken, wie in anderen Restaurants und Bars, Lichterfest, Spectaculum, Tag des offenen Denkmals, Ring on Feier, Lese-, Musik- und Kulturnacht sind noch nicht genug? Ich könnte diese Liste noch weiterführen, doch was ich damit eigentlich sagen will:

 

Wenn Sie sich gerade bestätigt fühlten und auch der Meinung sind, dass in Zittau nichts passiert und nichts los ist. Ich möchte genau Ihnen ans Herz legen, einfach mutig drauf los zu gehen, anscheinend sollten Sie Ihre Stadt noch einmal mit anderen und vor allem offenen Augen betrachten. Haben Sie Spaß die Stadt zu entdecken, vielleicht gibt es ein Geschäft in der Innenstadt in dem Sie noch nie waren? Außerdem klingt es viel schöner zu sagen „Das ist aus dem Laden an der Ecke, da musste ich gleich an dich denken.“ als „Ja das war halt ein Angebot bei Amazon.“ Etwas schlecht reden, kann man immer, aber das ist natürlich auch der faule Weg. Sollte das immer noch nicht reichen, packen Sie es doch selbst an. Ich backe gern einen Kuchen für das Straßenfest, oder stelle mich bereit Fingernägel schwarz zu lackieren für das Hardrockfestival am See, dass sie sich schon immer gewünscht haben.