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Luther-Bibeln aus dem 16. Jahrhundert im Altbestand der CWB

 

Erschienen im Stadtmagazin 2017

 

Zu den besonderen Leistungen Martin Luthers zählt zweifelsfrei die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache. Zunächst übersetzte er während seines Aufenthaltes auf der Wartburg 1521/22 das Neue Testament. Er benutzte dazu einen griechischen Urtext, aber auch die lateinische Vulgata-Ausgabe der Bibel. Das Neue Testament übersetzte Martin Luther allein und in der kurzen Zeit von nur elf Wochen. Bereits im September 1522 erschien seine Übersetzung in der hohen Auflage von 3.000 Exemplaren. Trotz des beachtlichen Preises von eineinhalb Gulden war die Auflage in nur drei Monaten vergriffen. Im Dezember 1522 erschien eine zweite, verbesserte und korrigierte Auflage.

 

Später, wieder in Wittenberg zurück, begann Luther mit der Übersetzung des Alten Testamentes. Dafür benötigte er dann allerdings fast zwölf Jahre und auch die Mithilfe zahlreicher Reformatoren.

 

Deshalb wurde das Alte Testament zunächst in einzelnen Teilen veröffentlicht.

Die erste Gesamtausgabe der Luther-Bibel erschien erst 1534. In den folgenden Jahren wurde diese von Luther und seinen Mitstreitern immer wieder überarbeitet und verbessert. Die Gesamtausgabe der Luther-Bibel von 1544/45 ist die letzte von Luther selbst mit bearbeitete Textfassung.

 

Die ersten beiden Teile von Luthers Übersetzung des Alten Testamentes sind auch im Wissenschaftlichen und Heimatgeschichtlichen Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau vorhanden. Der Band mit den beiden Teilen wurde der damaligen Ratsbibliothek im Jahr 1734 von zwei wohlhabenden Zittauer Kaufleuten geschenkt. Auf dem Vorsatzblatt des Bandes mit den beiden Erstausgaben von „Das Allte Testament deutsch. M. Luther. Vvittenberg“ [1523] und „Das Ander teyl des alten testaments“ [1524] befindet sich folgender handschriftlicher Eintrag: „Christian Finck u. Schlüter/ Zittau, den 21. July 1734“.

 

Die Gesamtausgabe von Luthers Bibelübersetzung ist Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau mit zwei Exemplaren der Ausgabe letzter Hand von 1544/45 vertreten.

 

An erster Stelle ist eine zweibändige Ausgabe der sogenannten Kurfürsten-Bibel zu nennen. Auf der Titelseite des ersten Bandes wird das eigentliche Schriftfeld von den 14 Wappenschilden des sächsischen Kurfürsten eingerahmt. Auf dem zweiten Blatt ist ein Porträt des regierenden Kurfürsten von Sachsen, Johann Friedrich I., des Großmütigen, abgebildet. Der Kurfürst gehörte zu den wichtigsten Förderern und Verbündeten Luthers. Die Rückseite enthält das kurfürstliche Privileg für diese Ausgabe der Lutherbibel. Bei dem zweiten Band der Bibel („Die Propheten alle Deudsch“) ist das Textfeld von Illustrationen des biblischen Geschehens umrahmt. Diese zweibändige Ausgabe ist mit zahlreichen Holzschnitten illustriert. In den beiden vorliegenden Bänden sind die Holzschnitte und die Anfangsinitialen der Textabschnitte in prächtiger Weise koloriert.

 

Das zweite Zittauer Exemplar der Luther-Bibel, Ausgabe letzter Hand, ist eine einbändige Ausgabe. In dieser Ausgabe sind die Holzschnitte nicht illustriert. Dafür sind in diesem Band aber einige Seiten vorgebunden, auf denen sich eine Luther-Porträtzeichnung und handschriftliche Eintragungen mehrerer Reformatoren befinden. Das Lutherbild wurde wahrscheinlich von Johann Wilhelm Reiffenstein gezeichnet, welcher zeitweise bei Luther lebte. Handschriftliche Eintragungen von Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Justus Jonas, Caspar Cruciger, Joachim Camerarius und anderen Reformatoren befinden sind in diesem wertvollen Buch.

 

Während der Sonderausstellung „Ganz anders – die Reformation in der Oberlausitz“ werden diese besonderen Luther-Bibeln und zahlreiche weitere Schätze in den Städtischen Museen Zittau vom 30. Juli 2017 bis zum 7. Januar 2018 zu sehen sein. In einer Begleitpublikation zur Ausstellung wird man viele weitere Informationen zu diesen Kostbarkeiten finden.

 

Uwe Kahl, Zittau