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Zum 375. Geburtstag von Christian Weise

 

Erschienen im Stadtmagazin 2016

 

Am 30. April 2017 begeht die Stadt Zittau den 375. Geburtstag ihres bedeutendsten Sohnes: Christian Weise

 

In der Endphase des Dreißigjährigen Krieges, 1642 in Zittau geboren, wurde  Christian Weise schon früh durch seinen Vater Elias, Lehrer am hiesigen Gymnasium, gefördert. Sein Hauptmentor war jedoch der damalige Rektor des Gymnasiums M. Christian Keimann (1607-1662), dessen Kirchenlieder noch heute im Evangelischen Gesangbuch stehen.

Von 1660-1663 studierte Christian Weise in Leipzig Theologie, Politik, Geschichte, Poesie und Logik. Nach nur einem Studienjahr erwarb er das Baccalaureat, nach drei Jahren schloss er seine Studien mit der Magisterwürde ab. Es folgten Hofmeisterstellen bei den Grafen von Leinigen-Westerburg in Halle und von der Schulenburg in Amfurth. Im Jahr 1670 wurde er an das Gymnasium Augusteum in Weißenfels berufen. Dort prägte er seine pädagogische Methode aus und unterrichtete bereits sehr erfolgreich.

 

Im Jahr 1678 folgte Christian Weise dem Ruf seiner Vaterstadt und übernahm die Leitung des Zittauer Gymnasiums. Er reformierte und modernisierte den Unterricht in Zittau. Vor allem war Weise ein Beförderer der deutschen Sprache und des barocken Schultheaters. Er schrieb zahlreiche Lehrbücher und Abhandlungen über Rhetorik, manche erschienen in mehreren Auflagen. Für das Zittauer Schultheater schrieb Christian Weise mehr als 50 Stücke. Einige davon wurden schon zu seinen Lebzeiten gedruckt, viele sind als Manuskripte erhalten geblieben, andere leider verloren gegangen. Hunderte kleine Schriften veröffentlichte Weise zu Schulveranstaltungen, Theateraufführungen, Ratswahlen, Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen in Zittau.

 

Dreißig Jahre war es Christian Weise vergönnt am Zittauer Gymnasium zu wirken. Tausende Schüler wurden durch seinen Unterricht geprägt und errangen später wichtige Position im gesellschaftlichen Leben. Das Zittauer Gymnasium hatte seinerzeit einen hervorragenden Ruf, weit über die Grenzen Zittaus und der Oberlausitz hinaus. Seine Schüler kamen auch aus Sachsen, Schlesien, Brandenburg und Pommern.

 

Christian Weise leitete und prägte aber auch noch eine weitere Zittauer Bildungseinrichtung, die altehrwürdige, 1564 erstmals erwähnte Zittauer Ratsbibliothek. Systematisch erweiterte und vergrößerte er die Büchersammlung. Agenten des Rates der Stadt kauften damals Bücher in den europäischen Geisteszentren Paris, Prag, Amsterdam, London. Weise regte auch den Bau eines neuen Bibliotheksraumes in Zittau an. Die Einweihung des prächtigen barocken Bibliothekssaales im Heffterbau am 18. September 1709 erlebte er selbst leider nicht mehr. Beide Einrichtungen, Gymnasium und Ratsbibliothek, erlebten unter Weises Leitung ihre größte und wichtigste Blütezeit.

 

Am 21. Oktober 1708 starb Weise nach kurzer Krankheit in Zittau. Zuvor hatte der Rat seine Nachfolge noch in Weises Sinne geregelt. Gottfried Hoffman, einst Weise-Schüler und dann Rektor des Gymnasiums in Lauban, kam nach Zittau. Die Stadt Zittau gewährte dem toten Christian Weise die höchste Ehre, mit barockem Gepränge wurde er in der Hauptkirche St. Johannis beigesetzt.

Knapp 50 Jahre später, während des Siebenjährigen Krieges, am 23. Juli 1757, versank die alte Johanniskirche, mit dem Grabmal Christian Weises und der großen Silbermann-Orgel, unter den Kugeln der Österreicher in Schutt und Asche. Drei Viertel der Stadt Zittau wurden an diesem einem Tag zerstört. Das alte Gymnasium wurde beschädigt, die Ratsbibliothek im Heffterbau blieb glücklicherweise unversehrt.

 

Christian Weises schriftlicher Nachlass wird heute im Wissenschaftlichen und Heimatgeschichtlichen Altbestand  der Christian-Weise-Bibliothek bewahrt. Dazu gehören knapp zwei Dutzend Bände handschriftlicher Manuskripte, Dutzende Druckschriften aus seinen Lebzeiten, sowie hunderte Klein- und Gelegenheitsschriften Weises in mehreren Sammelbänden. Zum Vermächtnis Christian Weises gehört aber nicht nur die Erhaltung und Bewahrung seines Nachlasses, sondern auch dessen Erschließung und Nutzbarmachung, die Bereitstellung von Texten und Informationen für Forschungen und Publikationen. Wesentliche Meilensteine auf diesem Weg waren die beiden Zittauer Weise-Symposien, anlässlich seines 350. Geburtstages (1992) und des 300. Todestages (2008), sowie die danach erschienen Tagungsbände.

 

Anlässlich des 375. Geburtstages Christian Weise ist für das Frühjahr 2017 zwar kein neues großes Symposium geplant, sondern es wird in einer musikalisch-literarischen Gedenkstunde an den großen Zittauer Pädagogen und Dichter erinnert werden.

 

Uwe Kahl

Christian-Weise-Bibliothek Zittau

Wissenschaftlicher und Heimatgeschichtlicher Altbestand