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Ritt auf der Eselstute

 

Von Frank Brandt, erschienen im xyzittau Stadtmagazin 2016

 

Tiere üben immer eine Faszination auf uns aus, aber ganz besonders auf Kinder. Wenn ich mit meinen Enkeln in den Zittauer Tierpark gehe, dann ist der erste Weg in das Streichelgehege. Die Hängebauchschweine, Ziegen und Esel lassen sich gern berühren. 

 

In solchen Augenblicken werde ich an eine Geschichte erinnert: Als ich vor Jahren mal im Urlaub am Mittelmeer weilte – dort, wo der Esel Burro genannt wird, wo er noch als Nutztier anzutreffen ist – erzählte mir ein alter Mann, bei dem ich eine gut aussehende Eselstute für eine Safari mietete: „Oft werden Esel und Hauspferde gekreuzt. Ist der Vater ein Esel und die Mutter eine Pferdestute, wird der Nachwuchs Maultier genannt, ist der Fall aber anders herum, dann ist es ein Maulesel.“ Die Stute war gesattelt, aber schon das Aufsteigen begann mit Hindernissen, denn sie war störrisch und wollte nicht laufen. Somit schob ich sie zu einem Stein, um besser in den Sattel zu kommen, einen Sattel aus derben Holz. Sie drehte nur den Kopf zur Seite, so als wollte sie mich fragen: „He, was willst du von mir?“ Irgendwie gelang es mir dann doch, das Tier zum Laufen zu bewegen. Erst langsam, Schritt für Schritt – und plötzlich wie aus heiterem Himmel setzte sie sich in leichten Trab. Schon kurz danach merkte ich, wie rasch das Schicksal seinen Lauf nehmen kann. Das Gesäß, wo ich bestimmt nicht empfindlich bin, aber vor allem die Schulter und das Rückgrat schmerzten schon nach den ersten Minuten. Wie man das Tier zum Stehen bringt, davon hatte ich keine Ahnung, denn ich hatte vergessen, den alten Mann danach zu fragen. Ich versuchte es mit guten Worten, sogar mit „Brrrr...“ und „Stopp!“ Russisch half auch nichts; offenbar verstand die Stute nur spanisch. Da ich kein Zaumzeug zum Lenken hatte, versuchte ich mich an der kurzen Mähne festzuhalten, was aber offensichtlich der Eselin nicht gefiel, so dass sie im Laufen immerzu den Kopf nach rechts und links warf. Die langen Ohren der Stute getraute ich mich aber nicht als Zügel zu verwenden, da ich befürchtete, sie würde mich auf dem steinigen Weg aus dem Sattel werfen. Somit war ich hilflos dem Tier ausgeliefert und der Gedanke schoss mir durch den Kopf: Was hat mich eigentlich bewogen, auf diesen Esel zu steigen? Durch das Schaukeln schmerzte nun auch mein Magen, eigentlich schmerzte alles; alle Knochen im Körper taten mir weh. So plötzlich, wie der Trab begann, blieb die Stute stehen, fing an zu grasen und interessierte sich überhaupt nicht für mich. Vorsichtig und langsam glitt ich aus dem Sattel, mit schmerzverzerrtem Gesicht und war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. 

 

Aber die Esel im Zittauer Tierpark sind friedlich, sie müssen ja auch keine Touristen, sondern nur ab und zu, bei besonderen Anlässen ein paar kleine Reiter tragen.